Vincent Fecteau
Florian Pumhösl

I hear the ancient music of words and words, yes, that’s it.

16 September 2022 -
29 October 2022

opening on Friday,
16 September, 7-9pm

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DE

Vincent Fecteau

Florian Pumhösl

 

I hear the ancient music of words and words, yes, that’s it.

 

16. September

- 29. Oktober 2022

 

 

Im Ausstellungsraum in der Fasanenstraße 31 zeigen wir neue Arbeiten von Vincent Fecteau und Florian Pumhösl, eine Gegenüberstellung, die die Künstler gemeinsam zunächst für eine gleichnamige Ausstellung im Schindler House / MAK Center for Art & Architecture in Los Angeles entwickelt haben und die dort im Herbst letzten Jahres in anderer Konfiguration zu sehen war. Zur Ausstellung in Berlin präsentieren wir einen neuen Katalog. In der Einleitung des Katalogs schreibt die MAK Kuratorin Bärbel Vischer über das Ausstellungsprojekt:

 

“Die Erarbeitung dieser Ausstellung im Schindler-Haus war ein work in progress, das den sichtbaren und unsichtbaren Linien der Architektur und der Geschichte des Hauses folgte. Der Veranstaltungsort, das urbane Mapping von West Hollywood, die Gespräche mit den Künstlern Vincent Fecteau und Florian Pumhösl, der Aufenthalt und die gemeinsame Arbeit im Fitzpatrick-Leland House während der Installation der Ausstellung spielten zusammen.

 

Der Architekt Rudolph M. Schindler (1887-1953), ein Schüler Otto Wagners und Anhänger von Adolf Loos, emigrierte 1914 von Wien in die Vereinigten Staaten und arbeitete später für Frank Lloyd Wright. Schindler hat mit experimentellen Konzepten und sozial-utopischen Ideen zur Moderne beigetragen. Das Schindler House in der Kings Road, das für zwei Familien konzipiert wurde und eine Abfolge von Räumen aufweist, die abwechselnd für private und gemeinschaftliche Zwecke gedacht sind, war das Zuhause von Rudolph und seiner Frau Pauline Schindler (1893-1977), einer Kunst- und Architekturkritikerin. Sie lebten hier zunächst mit Marian und Clyde Chace zusammen. In diesem Gebäude hat der Architekt eine einzigartige und persönliche Formensprache, ein hybrides internationales Vokabular und Visionen von Los Angeles und Kalifornien kombiniert.

 

Die Ausstellung widmet sich diesem einzigartigen Querschnitt durch die Strömungen der Moderne und untersucht das Verhältnis von Bildern, Objekten und dem Erbe der Abstraktion. Gemeinsam inszenieren die Künstler Vincent Fecteau und Florian Pumhösl einen Dialog zwischen malerischen und dreidimensionalen Arbeiten, Studioproduktion und dem architektonischen Umfeld des Schindler-Hauses, insofern es sich auf Aspekte der Materialität, Oberfläche, Muster, Farbe und Licht bezieht. Das Layout der Ausstellung spielt mit Volumina, Strukturen und Wechselbeziehungen zwischen den Werken der Künstler und entwickelt einen visuellen Rhythmus und Klang.

 

In ihrem Roman Der große Augenblick vermittelt Clarice Lispector (1920-1977) den Akt des Schreibens als ein work in progress. Der Titel der Ausstellung ‘I hear the ancient music of words and words, yes, that’s it.’, ist ein Zitat, das die Intimität reflektiert, die sie in ihrem Schreiben erzeugte: eine Suche nach Entsprechungen zu Räumen, Stimmungen und Geschichte. Lispector emigrierte 1922 mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Brasilien. In Der große Augenblick, geschrieben in ihrem Todesjahr, beleuchtet Lispector die Verbindung zwischen Sprache, Musik und Zeit. Sie erschafft Literatur als Collage, als Gemälde oder als Skulptur mit zeitgenössischen Ikonen und geheimen Bedeutungen. In der Einleitung zu ihrem Buch nennt sie die Musik von Beethoven, Bach, Chopin und Schönberg als Inspirationen - Schindler selbst hat Architektur als Musik wahrgenommen.”¹

 

Vincent Fecteau beschreibt seinen Ansatz zur Installation im Schindler House im Gespräch mit Florian Pumhösl:

 

“Es war sofort klar, vor allem nachdem ich das Haus persönlich gesehen hatte, dass wir hier nicht wie an eine andere Ausstellung herangehen konnten. Das Haus hat eine so starke Präsenz und Geschichte, dass jede kleine Geste verstärkt wird. Sie wirkt plötzlich fremdartig. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich darauf aus war, Hausgäste zu empfangen. Das war für mich die größte Herausforderung: Wie kann ich respektvoll sein und mich gleichzeitig mit der Architektur auf eine Weise auseinandersetzen, die meiner Vorstellung von häuslichen Räumen entspricht? Als ich herausfand, dass Pauline Schindler ihren gesamten Flügel rosa gestrichen hatte, eröffnete sich mir eine neue Perspektive: Natürlich wurde diese Ikone der modernistischen Architektur von den Menschen, die in ihr lebten, „dekoriert“.

 

Auch der Maßstab ist ziemlich extrem. Die Decken sind sehr niedrig und die Räume sind nicht groß. Es ist schwer, sich dort Möbel vorzustellen, geschweige denn Skulpturen auf Sockeln. Es schien mir wichtig, dass die Arbeit dem Raum nicht feindlich gegenübersteht, aber auch nicht unterwürfig sein muss. Wir sprachen auch über den Blick zurück: über aufgegebene Projekte oder Stücke, die wir nicht ganz fertiggestellt hatten, oder über Ideen, die uns schon seit einiger Zeit im Kopf herumschwirrten. Ich dachte sofort an eine Sammlung gefundener Fotografien, die ich schon seit Jahren besitze, von denen ich aber bisher nie so recht wusste, was ich damit anfangen sollte, und ebenso an eine Sammlung von Aufstellrahmen, die ich in verschiedenen Secondhandläden gekauft hatte. Als mir klar wurde, dass ich beide kombiniere, indem ich die Fotos mit Photoshop bearbeitete und einige der Rahmen mit Elementen versah, wusste ich, dass ich Skulpturen schaffen könnte, die sich mit einem häuslichen Raum zu seinen Bedingungen auseinandersetzen könnten.”²

 

¹Bärbel Vischer: Introduction, S. 5

²Vincent Fecteau / Florian Pumhösl, Conversation, S. 63

beide in: Vincent Fecteau / Florian Pumhösl “I hear the ancient music of works and works, yes, that’s it.”, Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, 2022

Vincent Fecteau

Florian Pumhösl

 

I hear the ancient music of words and words, yes, that’s it.

 

16 September

- 29 October 2022

 

 

At Fasanenstraße 31 a juxtaposition of new work by Vincent Fecteau and Florian Pumhösl is on view, a reconfiguration of the artists’ earlier exhibition of the same name, held at the Schindler House / MAK Center for Art & Architecture in Los Angeles in the fall of last year. For this exhibition we present a new catalogue published by Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König. MAK curator Bärbel Vischer writes in the introduction of the catalogue about the exhibition project:

 

“The making of this exhibition at the Schindler House was a work in progress following the visible and invisible lines of the architecture and history of the building. The venue, the urban mapping of West Hollywood, the conversations with the artists Vincent Fecteau and Florian Pumhösl, staying and working together at the Fitzpatrick-Leland House during the installation of the show have been interfolding.

 

The architect Rudolph M. Schindler (1887-1953), a scholar of Otto Wagner and follower of Adolf Loos, emigrated from Vienna to the United States in 1914 and later worked for Frank Lloyd Wright. Schindler has contributed to modernism with experimental concepts and social-utopian ideas. The Schindler House on Kings Road, designed for two families with a sequence of rooms which alternate between private and communal, was the home of Rudolph and his wife Pauline Schindler (1893-1977), an art and architecture critic. They initially lived here with Marian and Clyde Chace. In this building, the architect has combined a unique and personal formal language, hybrid international vocabulary, and visions of Los Angeles and California.

 

Staged within this unique cross-section of modernism’s currents, this exhibition examines the relationship of images, objects, and legacies of abstraction. Together, the artists Vincent Fecteau and Florian Pumhösl orchestrate a dialogue between pictorial and three-dimensional work, studio production, and the architectural setting of the Schindler House as it relates to aspects of materiality, surface, pattern, color, and light. The layout of the exhibition plays with volumes, structures, and interrelations between the artists’ works developing a visual rhythm and sound.

 

In her novel The Hour of the Star, Clarice Lispector (1920-1977) mediates the act of writing as a work in progress. The title of the exhibition, ‘I hear the ancient music of words and words, yes, that’s it.’, is a quote, echoing the intimacy she generated in her writing and corresponding to space, moods, and history. Lispector emigrated with her family from the Ukraine to Brazil in 1922. In The Hour of the Star, written in the year of her death, Lispector shines a light on the connection between language, music, and time - her personal instruments for writing. She creates literature as a collage, a painting or a sculpture with contemporary icons and secret meanings. In the fictive introduction to her book she notes the music of Beethoven, Bach, Chopin, and Schönberg as inspirations - Schindler himself perceived architecture as music.”¹

 

Vincent Fecteau in conversation with Florian Pumhösl, discussing his approach to the installation at the Schindler House:

 

“It was immediately clear, especially after I saw the house in person, that we couldn’t approach this as we would any other exhibition. The house has such a strong presence and history that any small gesture is amplified and also so clearly alien. I’m not sure it was really interested in having house guests. So, for me, that became the primary challenge: how to be respectful but engage with the architecture on terms that were true to the way I thought about domestic spaces. When I found out that Pauline Schindler painted her whole wing pink, it really opened something up for me: of course this icon of modernist architecture was ‘decorated’ by the people that lived in it.

 

Also the scale is quite extreme. The ceilings are very low and the spaces aren’t large. It’s hard to imagine furniture in there, let alone sculptures on pedestals. It seemed important to me that the work wasn’t hostile to the space but it didn’t have to be obsequious. We also talked about looking back: abandoned projects or pieces that we hadn’t quite finished or ideas that had been percolating for some time. I immediately thought about a collection of found photographs that I’ve had for years but never quite knew what to do with, and similarly, a collection of tabletop frames bought from various thrift stores. Once I realized I would combine the two, using photoshop to alter the photographs and adding elements to some of the frames, I knew I could make sculptures that might be able to engage with a domestic space on its own terms.”²

 

¹ Bärbel Vischer: Introduction, p. 5

² Vincent Fecteau / Florian Pumhösl, Conversation, p. 63

both in: Vincent Fecteau / Florian Pumhösl “I hear the ancient music of works and works, yes, that’s it.”, Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, 2022